Anregungen zur neuen Jahreslosung - Schoenstatt Maennerliga

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Zur neuen Jahreslosung Teil 1:

An unserer Jahrestagung 2015, die dieses Jahr zum ersten Mal während der Oktober-Tage stattgefunden hat, haben wir diese neue Jahreslosung erarbeitet. Auf den ersten Blick stellen wir fest, dass unser „Marienbergsendung leben“ fortgeführt wird. Das ist ein besonderer Auftrag für unsere Arbeit und ebenso eine geistige Orientierung sowie Lokalisierung. Aber wir haben uns auch ansprechen lassen vom Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus am 8. Dezember eröffnet hat, indem er die Heilige Pforte des Petersdoms feierlich öffnete. In allen Bistümern der Welt wird dies wiederholt und jedes Bistum hat die Möglichkeit, weitere Heilige Pforten im Bistums zu bestimmen. So ist auch das Urheiligtum im Bistum Trier zur Heiligen Pforte ernannt worden, was durchaus Grund genug ist, dass wir die Barmherzigkeit in unsere Jahreslosung aufgenommen haben.
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Als „Männer der Barmherzigkeit“ schließen wir uns geistiger Weise unmittelbar den Pilgern der Barmherzigkeit suchenden bzw. empfangenden und auch gebenden an. Ja, wir dürfen davon ausgehen, dass in dem Maße, wie wir Barmherzigkeit leben, wir auch Barmherzigkeit empfangen dürfen. Damit ist schon angedeutet, mit welcher Haltung und in welchem Rahmen Barmherzigkeit wirkt. Nun hat Papst Franziskus, unser Heiliger Vater, die Heilige Pforte geöffnet und somit durch diesen Akt das Heilige Jahr eröffnet. Was will uns das sagen? Als nüchterne Männer haken wir das ab und betrachten es als reine Zeremonie. Doch sollten wir weiter schauen und fragen, welche Wirkung ein Akt oder eine Zeremonie etc. hat? Beides ist auch Sprache, im Wesentlichen aber nicht mit gesprochenem Wort. Diese „Sprache“ sollten wir uns aneignen oder zumindest uns dieser nicht verschließen. Pater Kentenich hat Wert gelegt auf symbolhafte Sprache. Sie unterstreicht, verstärkt und verschönert z. B. unsere nüchterne Sprache. Ist es nicht eine „Sprache“, die über allen Sprachen steht? Verständigen wir uns nicht auch mit Zeichen, wenn wir uns sprachlich nicht ausdrücken können? Auch kann symbolhafte Sprache tiefer gehen und unser Unterbewusstsein besser erreichen. Es kann auch für uns eine Hilfe und eine Brücke sein, unsere Jahreslosung mehr zu verinnerlichen. So z. B. könnten wir persönlich oder auch als Gruppe eine Pforte der Barmherzigkeit aufsuchen und durchschreiten. So schließen wir uns dem symbolhaften Akt des Heiligen Vaters an und erhalten vor allem auch Vergebung und erfahren Barmherzigkeit, nicht zuerst dem Verstand nach, vielmehr unserer Seele, unserem Erleben nach. Dieser erste Impuls mag uns Anlass geben, unsere Jahreslosung zu leben. In den folgenden Impulsen wollen wir dann mehr  die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit betrachten.
Ernest M. Kanzler

Teil 2 zur Jahreslosung:

Inzwischen sind wir auf unseren Exerzitien, Besinnungs- und Oasentagen in die Inhalte der Barmherzigkeit vorgedrungen und haben uns davon ansprechen lassen. So hat dann auch unsere „Marienberg-Sendung leben“ sowohl eine besondere Ausrichtung erhalten als auch verdeutlicht, dass Sendung erst griffig wird, wenn sie angewandt und gelebt wird.
Angesichts der geistigen und leiblichen Werke der Barmherzigkeit dürfte dies aber auf den ersten Blick nicht so einfach sein. Einerseits ist in unserem Sozialstaat für die Not des einzelnen gesorgt, dafür wird ja auch unser Geld verwandt, andererseits kostet es viel Mühe, eine notwendige Unterstützung zu erhalten. Und da setzt die Barmherzigkeit an. Die Not des anderen zu sehen und ihn auf dem Weg zur Hilfe begleiten. Das tun wir in vielen Fällen und so ist es wichtig, dies auch als Werk der Barmherzigkeit zu sehen. So können wir in manchen Fällen unser Handeln im Sinne der Barmherzigkeit verstehen und dies auch mit Recht. Aber wir sollten nicht auf dieser Ebene der Werke stehen bleiben, sondern uns fragen, was uns ein Werk der Barmherzigkeit ermöglicht hat. Ist das eine rein menschliche Eigenschaft oder sind wir dafür vorbereitet und begnadet worden. Pater Kentenich weist immer wieder auf den barmherzigen Vater-Gott hin. Dabei geht es nicht um Handlungen der Barmherzigkeit, sondern um eine grundsätzliche  Liebeshaltung Gott-Vaters uns Menschen gegenüber und sogar um einen wesentlichen Grund unseres Geschöpf-Seins. Der Bezugspunkt unseres Barmherzigkeitsverständnisses ist Gott-Vater, wie es aus dem Evangelium hervor geht. So sind wir angehalten, uns der Barmherzigkeit Gott-Vaters inne zu werden, um wirklich barmherzig sein zu können. Damit kommt unser Bindungsorganismus in den Blick, der uns lehren will, dass wir in einem Lebensprozess stehen, wo das Leben von Gott-Vater ausgeht. Das Gott-Vater-Symbol im Tabor-Heiligtum will uns hinweisen auf den barmherzigen Vater-Gott. Von ihm geht alles Leben aus, das auf unserer Erde in jeder Hinsicht begrenzt ist und damit auf die Barmherzigkeit Gott-Vaters angewiesen ist. Insofern ist auch unsere Marienberg-Sendung verwurzelt mit Gott-Vater und verlangt von uns die Hinwendung zu ihm.
Ernest M. Kanzler



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